Altona: Beziehungsgewalt im Blick behalten

Häusliche Gewalt und Kindeswohlgefährdung – wie hoch sind die Fallzahlen während der COVID-19-Pandemie in Altona? Dem Bezirksamt und damit dem Sozial- sowie dem Jugendhilfeausschuss soll auf Antrag von GRÜNEN, SPD und CDU jetzt regelmäßig Bericht erstattet werden. Das beschloss einstimmig die Bezirksversammlung am  28.5.2020 .  

Ein ständiges Monitoring ermöglicht es dem Landeskriminalamt, die Zahlen zur Entwicklung von Fällen häuslicher Gewalt an die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) sowie die Behörde für Inneres und Sport (BIS) zu übermitteln. Doch jetzt sollen sie auch im Bezirk abrufbar sein. 

Dr. Adrian Hector, Abgeordneter der GRÜNEN im Sozialausschuss: „Hinschauen statt wegsehen: Mit unserem Antrag rücken wir das Thema ‚häusliche Gewalt‘ weiter in den Fokus. Wir befürchten einen Anstieg von Beziehungsgewalt während der Pandemie-Maßnahmen durch die veränderten Lebensumstände vieler Familien und Paare. Durch geschlossene Schulen und Kitas fehlt außerdem für Kinder und Jugendliche eine wichtige Anlauf- und Kontrollstelle. Etwa 80 % der Opfer sind weiblich, etwa 20 % männlich: Jeder Mensch in Not sollte Hilfe und Unterstützung bekommen können. Neben Beratungsangeboten gehören hierzu natürlich auch Schutzhäuser. Aktuell gibt es in Hamburg sechs Schutzhäuser für Frauen mit insgesamt rund 240 Schutzplätzen, für Männer gibt es in Hamburg kein Schutzangebot.“ 

Yohana Hirschfeld, zubenannte Bürgerin der GRÜNEN im Sozialausschuss: „Seit Beginn der Corona-Beschränkungen bemühen sich die zuständigen Fachbehörden BASFI und BIS intensiv, nicht nur die Fälle von häuslicher Gewalt werktäglich zu erfassen, sondern auch erweiterte Kapazitäten in den Hilfeeinrichtungen anzubieten. Große Sorge bereitet das Ausbleiben von Anzeigen durch die Betroffenen. Wir vermuten hier aktuell ein großes Dunkelfeld. Um den Zugang zu Hilfe zu erleichtern, beginnen gerade verschiedene Informationskampagnen. Die GRÜNEN in Altona werden jetzt, zeitgleich mit Fraktionskolleginnen aus Mitte, Nord, Wandsbek, Harburg und Bergedorf, die Plakate des Bundeshilfetelefons in Geschäften und Arztpraxen aushängen.“

Oliver Schmidt, jugendhilfepolitischer Sprecher der SPD-Bezirksfraktion und Mitglied im Sozialausschuss: „Die mit der jetzigen Pandemielage einhergehenden Kontaktbeschränkungen bedeuten leider auch, dass weniger Möglichkeiten der allgemeinen sozialen Dienste, der Kitas und Schulen und der freien Träger der Jugend- und Familienhilfe bestehen, einer funktionierenden Wächterfunktion im bisherigen Umfang gerecht zu werden. Das bestehende Netz des Erkennens von Hilfebedarfen ist durch die Beschränkungen grobmaschiger geworden und wir müssen jetzt sehr genau schauen, wo und durch welche Maßnahmen wir hier effektiv nachsteuern können, aber auch müssen, damit trotzdem niemand durch das Netz fällt. Hierzu sind wir auf die jeweils aktuellen Fallzahlen angewiesen, auch wenn diese derzeit nur begrenzt belastbar sind.“

Gabriele von Stritzky, Sprecherin für Soziales der CDU-Fraktion: „Wer Gewalt ausübt, hat nie recht. Mehr als 8.000 Frauen wurden 2018 Opfer von Körperverletzungen. Die Täter kommen häufig aus der Familie. Der Blick auf andere Länder zeigt, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu einem Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen geführt haben. Daher ist es aus unserer Sicht besonders wichtig, die Entwicklung der Fallzahlen engmaschig zu überwachen. Dies ermöglicht uns, frühzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen zu können und den betroffenen Frauen Hilfe zukommen zu lassen. Häusliche Gewalt ist zerstörerisch. Sie verletzt die Seele und Körper der Betroffenen, aber auch die der Kinder, die oft Zeugen sind. Die Belastung für viele Familien ist sehr groß. Wir müssen auf jeden Fall vermeiden, dass betroffene Frauen in dieser Zeit allein gelassen werden. Auch Freunde, Nachbarn und Angehörige sollten besonders aufeinander achten.“